Winterruhe
Im Jänner sind wir ja bereits mitten im Bienenjahr. Es hat schon begonnen mit der Einwinterung, ja sogar eigentlich schon nach der letzten Schleuderung. In dem Augenblick wo wir unser Interesse den Winterbienen zuwenden hat das neue Bienenjahr begonnen. Es entspricht mehr unserem Schuljahr, als dem Kalenderjahr.
Die Frage ob wir alles richtig gemacht haben wird wohl so manchen Imker durch die Wintermonate begleiten. Im Spitzenfeld des Fragenkataloges steht die Varroabehandlung. Wann? Womit? Wie oft? – das sind die Standardfragen auf die es sehr verschiedene Antworten gibt.
Bei uns wird seit Beginn der Varroa mit AS (=Ameisensäure) 85% auf Schwammtuch von unten behandelt. Dazu haben wir einen Kurzfilm erstellt, denn da ist die Einfachheit der Methode zu sehen.
Gegenargumente wie z.B. AS von unten sei nicht so wirksam weil sie schwerer als Luft wäre – mussten längst der praktischen Erfahrung Platz machen. Sie funktioniert sehr gut.
Natürlich haben auch Nassheider -, oder Universalverdunster ihre Berechtigung. Um diese Jahreszeit sind aber die Würfel in dieser Frage längst gefallen. Jetzt gibt es am Stand nur wenig zu tun.
Hoch gelegene Stände sind oft unter dicken Schneepolstern begraben und das finde ich wunderbar. Hier haben die Bienen absolute Ruhe. Wenn die Völker ein Bodengitter haben sollte man sie überhaupt nicht stören. Im Falle eines festen Bodens ist nur auf eine Vereisung des Flugloches zu achten und nötigenfalls für genügend Luftzufuhr zu sorgen. (Totenfall beim Flugloch). Lockere Schneepolster sind luftdurchlässig und können belassen werden.
Bei uns in Wien sind die Stände nur selten so eingeschneit und hier ist (bei Vollholzboden) gelegentlich nachzusehen ob der Wintertotenfall nicht das Flugloch verlegt. Das sieht man leicht von hinten durch den Putzkeil.
Sollten bei einzelnen Völkern trotz kaltem Wetter Bienen abfliegen oder Unruhe zu bemerken sein, ist dieses Volk für eine zeitige Kontrolle vorzumerken. Es könnte Weisellosigkeit sein oder auch „nur“ eine Störung. Wurden Mausschutzgitter angebracht so ist eine Belästigung durch Vögel möglich.
Fluglochgitter
Meisen picken gern an den Fluglöchern rum um sich einzelne Bienen abzufangen. Wenn der Grünspecht (auch Grau -, oder Erdspecht genannt) – sein Unwesen treibt, ist das meist leicht zu sehen. Da helfen dann nur Vogelnetze oder auch Hasengitter oder ähnliches.
Wenn man ein Volk mit einem Schlauch oder beim Putzkeil „abhört“ – und auf ein leichtes Klopfen ertönt das vertraute Summen, ist alles in Ordnung. Manche Imker sehen das zum Jahreswechsel an als Neujahrsgruß. Der Imker fragt – die Bienen antworten.
Aber grundsätzlich ist die beste Pflege im Winter – die Ruhe.
Eine Windelkontrolle gibt Auskunft über den Totenfall und den Bienensitz. Wichtiger jedoch auch darüber ob kein ungebetener Gast im Volk ist. Oft wurden schon mit dem Mausgitter, Mäuse im Volk eingesperrt. Denn einerseits möchte man es so spät wie möglich und so früh wie nötig einsetzen.
Die meiste Arbeit wird in den Wintermonaten in der Werkstatt ablaufen um alle Gerätschaften wieder für die neue Saison vorzubereiten oder neu anzufertigen.
Eine nette Geste gegenüber der Natur wäre auch die Anfertigung eines "Solitärbienen-Hotels". Dabei sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.
"Hotel" für Solitärbienen
Sehr praktisch und von steigender Bedeutung erweisen sich einfache Ablegerkästen im Standmaß. Wer sich mit der Mini Plus Betriebsweise vertraut gemacht und ihre Vorteile erkannt hat muss sich fragen warum dasselbe nicht im Standmaß ebenso möglich sein sollte. In Zeiten der Varroa ist nicht nur eine überwinterungsfähige Königinnenreserve, sondern auch eine Reserve an Ablegern sinnvoll.
Solche handlichen Kästen sollten genauso wie Mini Plus, aufsetzbar sein. In der Saison sind sie rasch zur Hand, können als Wabenbock dienen und kommen mit relativ wenig Bienen und Brutwaben bei der Verwertung wertvoller Weiselzellen aus.
6 Wabenableger im Standmaß
Auch sollten diese Monate unbedingt für Weiterbildung und Information genutzt werden. Eine Mitgliedschaft im örtlichen Bienenverein sehe ich als obligat an. Wer Bienen halten möchte muss auch die nötige Zeit dafür erübrigen können. Für gestresste Städter möchte ich noch sagen dass die Arbeit mit Bienen wohl ihre Grundeinstellung zum Begriff Zeit wohltuend verändern könnte. Weiters steht uns heute ein Internet zur Verfügung mit nahezu unbegrenzter Informationsbreite. Das macht natürlich erst wirklich Sinn wenn ich auch mit Menschen darüber sprechen kann. Denn die Informationsflut wird (besonders für Anfänger) auch leicht unüberschaubar.
Darum empfehle ich (nicht nur Anfängern) auch unser neues Bienenforum zu nutzen.
Weiters arbeiten wir daran für Imker im Raum Wien (Augarten) einen kleinen Bienenstand herzurichten wo praxisorientierte Treffen vereinbart werden können – und auch der ruhige, unkomplizierte Umgang mit Bienen gezeigt werden kann.
Sollten in späterer Folge auch Kurse gewünscht werden, wurde uns von der Augartenverwaltung sogar ein entsprechender Kursraum in Aussicht gestellt. Aber soweit sind wir noch nicht. Einerseits sind uns auch vom Arbeitsvolumen her gewisse zeitliche Grenzen gesetzt (Bienen haben schließlich Vorrang) – anderseits wird es auch vom allgemeinen Interesse abhängen.
Was das Bienenforum betrifft zeigt es sich ja recht schnell ob sich jemand nur „so halt mal“ registriert (was eine Sache von ein paar Minuten ist) – oder ob sie/er sich dort auch engagiert beteiligen möchte.
Besonders die Wahl der Beute und des Rähmchenmaßes macht ja Anfängern immer zu schaffen. Dazu will ich einen recht praktischen Rat geben. Wählen Sie ein Standardmaß wo auch die Preise durch Serienfertigung am günstigsten sind. Den Bienen ist das Rahmenmaß ziemlich egal, aber der Brieftasche nicht.
Ungeduld ??? ???
In diesem Sinne – bis zum nächsten Mal
Heinz Strohmer
(Bienenwerkstatt)
